Mendener Stadtgeschichte

Die Besiedelung des Mendener Raumes geht in vorgeschichtliche Zeit zurück, wie reiche Bodenbefunde beweisen. Die Anfänge Mendens sind spätestens mit der Sachsen-Mission unter Karl dem Großen vor 800 gleichzusetzen. Die günstige geografische Lage an den Höhenwegen vom Lennetal und zum Ruhrtal führte schon von früh zur Anlage von Höfen.

 

Jahr 

Ereignis 

Vor 800

fällt die Gründung der Pfarrei Menden im alten Herzogtum Sachsen; sie war eine der angesehensten Großkirchen des Sauerlandes nördlich der Lenne.

1180

musste Heinrich der Löwe sein Herzogtum abgeben. Der Kölner Erzbischof Phillip von Heinzberg erhielt die Herzogswürde in Westfalen. Seine Nachfolger fassten ihren Sauerländischen Besitz vom Herzogtum Westfalen und Engern zusammen. Seit dieser Zeit wird vom "Kurkölnischen Menden" gesprochen. Die Pfarrei Menden gehörte bis 1823 zum Erzbistum Köln.

1250

belagerte und zerstörte Graf Engelbert von der Marck die Villa Munita et Firmata. Menden wurde als Grenzfeste wieder aufgebaut und erhielt

1276

1276 durch Erzbischof Sigfried von Westerburg die Stadtrechte.

1344

Nachdem die Stadt wieder einmal in Schutt und Asche gesunken war, ließ Erzbischof Walram sie mit einer festen Mauer, zwölf Türmen und drei Stadttoren versehen.

1618–1653

In den Wirren des dreißigjährigen Krieges und in den Jahren danach wurde Menden mehrmals durch Brände eingeäschert. Großer Bürgerfleiß und nachbarschaftliche Hilfe ließen die Stadt neu entstehen.

1695

begann die Industrialisierung mit der Aufnahme der "Nadelproduktion".

1756–1763

Während des siebenjährigen Krieges fand die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwunges ein vorläufiges Ende. Die wirtschaftliche Entwicklung brachte aus den benachbarten Gebieten später andere Gewerbe in die Stadt.

1803

1803 kam Menden mit der Auflösung der geistlichen Territorien nach dem Friedensvertrag von Luneville zu Hessen Darmstadt.

1816

1816 fiel Menden nach dem Wiener Kongress an Preußen und gehörte zur neugebildeten Provinz Westfalen. Das 19. Jahrhundert brachte Menden einen enormen Aufschwung.

1938

wurde die jüdische Synagoge in Brand gesetzt, jedoch nicht zerstört.

Nach 1945

ließ der Flüchtlingsstrom aus dem Osten Menden weiter anwachsen.

1975

Die Verwaltungs- und Gebietsreform brachte der Stadt den Zusammenschluss mit den Gemeinden Bösperde, Halingen, Lendringsen, Oebern, Schwitten, Asbeck und einem Teil der früheren Gemeinde Sümmern.

               

Die Stadt Menden liegt im nördlichen Randbereich des Sauerlandes kurz vor der Mündung der Hönne in die Ruhr. Erste Nennungen des Dorfes Menithinna, Menithinne, Menithinni sind aus dem 9. Jahrhundert bekannt. Erst im 14. - 16. Jahrhundert entwickelte sich die heute gebräuchliche Form des Namens Menden.

Urkundlich wird die Stadt Menden in den Jahren 1287 und 1290 genannt. Hiernach wurde dem Dorf Menden (villa munita) »im Jahre 1276 Februar 16« das Stadtrecht verliehen. Die Urkunde hierüber existiert leider nicht mehr. Bei einem der Stadtbrände ist dieses Dokument abhanden gekommen.

Von Anfang an war die besonders starke Stellung der Kölner Erzbischöfe für die Geschichte Mendens wichtig. Menden gehörte zu den Urpfarreien, d.h. zu den Kirchen, die bald nach Eroberung und Christianisierung des Sachsenlandes durch die Franken gegründet wurden. Ursprünglich war die Pfarrei sehr groß. Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehörten die Orte von Bausenhagen bis Dellwig, Sümmern, Hennen, Hemer bis Echthausen. Jedoch fielen im Laufe des Mittelalters die meisten der zur Pfarrei Menden gehörenden Orte von Menden ab und bildeten eigene Pfarreien. Neben den Einkünften aus Geld und/oder Getreide besaßen die Mendener Pfarrer in diesen Kirchen das Sendrecht. Dies bedeutet ein regelmäßig tagendes Gericht, das hauptsächlich Vergehen gegen die Kirchengebote, gegen die Moral und ähnliches ahndete. Auch hatte der jeweilige Pfarrer ein Mitspracherecht bei der Besetzung der Pfarrerstellen. Menden unterstand bis 1823 der Erzdiözese Köln und hierin dem Dekanat Attendorn.

Dem Kölner Erzbischof gehörte seit frühester Zeit nicht nur die Pfarrkirche. Darüber hinaus hatte er schon sehr früh ansehnlichen Grundbesitz. Dieser zählte zu den sogenannten Tafelgütern, d.h. er wurde von einem Pächter bewirtschaftet. Die jeweils erwirtschafteten Erträge dienten der erzbischöflichen Hofhaltung. Daß die Kölner Erzbischöfe eine starke Stellung in Menden hatten, läßt sich auch an der Gerichtsbarkeit Mendens erkennen. Im Jahre 1178 ließ sich Erzbischof Philipp von Heinsberg von Papst Alexander III. vier Go(Gau-)gerichte in Westfalen bestätigen, die leider nicht namentlich benannt sind. Mit ziemlicher Sicherheit waren Soest und Menden darunter. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es Urkunden des Mendener Gerichtes. Der Grundbesitz und die Gerichtshoheit gaben den Kölner Erzbischöfen die Möglichkeit, im späten Mittelalter in langen Auseinandersetzungen mit den Grafen von der Mark und von Arnsberg die Territorialhoheit in Menden zu erwerben.

Im Sauerland gab es drei politische Kräfte:

Wie bereits geschildert, hatten die Erzbischöfe schon früh umfangreichen Besitz in diesem Raum. Besonders im Gebiet am Hellweg, wo sie in einem Streifen von Werl über Soest bis Geseke die tonangebenden Herren waren. Südlich an das Werler Gebiet schloß sich Menden an; auf drei Seiten war es von fremden und teilweise feindlichen Gebieten umgeben.

Als die Erzbischöfe nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1180 den Titel eines Herzogs in Westfalen und Engern erhielten, bemühten sie sich, ein geschlossenes Territorium aufzubauen. Ihre Westfälischen Gebiete nennt man wegen des Herzogtitels das Herzogtum Westfalen. Doch bis sie so weit kamen, waren erhebliche Widerstände zu überwinden. Besonders die Grafen von der Mark entwickelten sich im Laufe der Zeit zu den schärfsten Konkurrenten der Erzbischöfe um die politische Macht.

Erst als die Grafen von der Mark durch Heirat bzw. Erbschaft auch Jülich, Kleve und Berg erhielten, verlagerte sich ihr Interesse allmählich in diese Gebiete, so daß sie in die sauerländischen Verhältnisse nicht mehr wie in früherem Maße eingriffen.

Die Grafen von Arnsberg, die noch Anfang des 12. Jahrhunderts mit Graf Friedrich dem Streitbaren eine sehr gute politische Macht besaßen, verloren diese im Laufe der Zeit, so daß sie keine Gefahr für die Entwicklung des Kölner Gebietes im Sauerland mehr bildeten.

Der Protestantismus hatte unter den Kölner Erzbischöfen des 16. Jahrhunderts zwar mehrere Freunde, aber infolge allzu kurzer Herrschaft oder wegen mangelnder Tatkraft kam es im Erzbistum nicht soweit, daß man von einer Durchführung der Reformation sprechen könnte. Im Jahre 1583 versuchte Gebhard Truchseß von Waldburg auf dem Landtag zu Arnsberg, den neuen Glauben einzuführen. Hier waren jedoch 17 Städte, darunter auch Menden, die energisch gegen die Einführung des Protestantismus aufbegehrten. Wenn man nun die religiöse Geschichte Mendens bis zum heutigen Tage verfolgt, kann man erkennen, daß Menden seit jeher eine Hochburg des Katholizismus war. Heute ist lediglich 1/3 der Mendener Gotteshäuser nicht katholisch.

Während des 30jährigen Krieges wurde die Stadt Menden im August 1637 bei einem Stadtbrand arg zerstört. Neben 80 Wohnungen brannten auch Kirchturm, Rathaus und Schule nieder. Der nächste große Stadtbrand vernichtete im Jahre 1652 die Stadt Menden bis auf ca. zehn Häuser. Bei diesem verheerenden Brand sind wahrscheinlich die Archive der Stadt und der Pfarrei vernichtet worden, lagerten doch die Urkunden in einer sog. Ratskiste im Turm der Kirche. Nur wenige Schriftstücke aus der Zeit vorher sind noch heute erhalten.

Nach dem dritten großen Stadtbrand vom 25. März 1663, bei dem ebenfalls nur noch ca. zehn Häuser übrig blieben, verpflichtete sich die Stadt Menden, nachdem sie aufgrund eines Bittbriefes an den Landesherren 1.500 Reichstaler erhalten hatte, breitere Straßen und beim Häuserbau nur noch Dachziegel aus Stein zu verwenden. Eimer zum Löschen mußten angeschafft werden. Derartiges Löschgerät wird heute noch im Heimatmuseum aufbewahrt.

In diese Zeit fällt auch der Bau der Kapelle auf dem Rothenberge, zu der sich seit ihrer Errichtung im Jahre 1685 jeweils tausende gläubige Menschen in beeindruckenden Prozessionen bewegen. Diese Kreuztrachten beginnen Gründonnerstag mit einer Jugendprozession und finden bis Karsamstag stündlich statt.

Vermutlich aus Anlaß der Pfingstprozession entwickelte sich ein Krammarkt in Menden, aus dem wahrscheinlich die alljährlich von vielen Besuchern frequentierte Pfingstkirmes entstanden ist.

Nach der Säkularisierung (Verweltlichung der geistlichen Güter) im Jahre 1803 wurden die Geschicke des Herzogtums Westfalen von den Hessen bestimmt. Deren Herrschaft dauerte jedoch nur ca. 14 Jahre. Während dieser Zeit wurden umfangreiche Neuorganisationen durchgeführt. So wurde das Herzogtum Westfalen in 18 Ämter unterteilt, eines davon war das Amt Menden. So gab es von der Zeit an eine Stadt und ein Amt Menden.

Die Herrschaft durch die Hessen wurde nach den äußerst schwierigen Verhandlungen auf dem Wiener Kongreß 1816 durch den Übergang an Preußen beendet. An die Spitze der neuen Provinz Westfalen wurde als Oberpräsident Ludwig Freiherr von Finke berufen. Die Einwohnerzahl Mendens stieg seit dem Jahre 1816 von 1.806 auf 12.018 Einwohner im Jahre 1913.

Wegen der gestiegenen Bevölkerungszahl drohte eine allgemeine Verarmung. Hierin sahen einige Unternehmer aus dem Märkischen Raum ihre Chance. Sie verlegten teilweise die Fertigung ihrer Produkte an die bisher ungenutzten Wasserläufe der Hönne und Oese. Es entstanden Eisenfabriken, Kettenschmieden, Messingwerke, Puddel- und Schmelzwerke. Einige dieser Firmen existieren heute noch. Allerdings werden hier jetzt andere Erzeugnisse unter Nachfolgegenerationen hergestellt.

An Menden ging die Zeit des Nationalsozialismus ebenfalls nicht vorbei, dessen Ende mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 14. April 1945 gekommen war. Während dieser Zeit wurden auch in Menden die jüdischen Mitbürger diskriminiert und die Synagoge in Brand gesetzt, jedoch nicht zerstört. Einige ehemalige Gemeindemitglieder leben noch heute in den USA und pflegen Kontakte zu Mendener Familien.

Bei Anschluß Mendens an das Eisenbahnnetz und Einführung anderer technischer Neuerungen konnte sich eine Industrie entwickeln, die bis zum heutigen Tage im In- und Ausland angesehen und konkurrenzfähig ist.

Aus der einstigen Ackerbürgerstadt entwickelte sich eine aufstrebende Mittelstadt. Im Jahre 1975 wurde anläßlich der kommunalen Gebietsreform aus der ehemaligen Stadt Menden und den umliegenden Amtsgemeinden eine neue Stadt Menden gebildet, die derzeit 59.500 Einwohner zählt.

Quelle: www.menden.de

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